METHODIK DER EINBINDUNG EINER KATZE IN DEN CAT ATELIÉR
METHODIK DER EINBINDUNG EINER KATZE IN DEN CAT ATELIÉR
(Feline Activities – Felinotherapie)
1. Definition des Cat Ateliér
Der Cat Ateliér stellt ein strukturiertes Umfeld für Felinotherapie, kunstbasierte und sensomotorische Aktivitäten dar, in dem die Katze als Mitgestalterin des regulatorischen Umfelds wirkt.
Im Unterschied zur Felinotherapie zu Hause:
- findet er außerhalb des häuslichen Umfelds der Katze statt,
- umfasst er die Anwesenheit mehrerer Teilnehmender,
- erfordert er eine systematische Vorbereitung der Katze auf Transport und Umweltveränderungen.
Der Cat Ateliér bewahrt das Prinzip der freiwilligen Beteiligung des Tieres sowie Welfare als vorrangige Werte.
Der Cat Ateliér stellt weder eine Gesundheits- noch eine Sozialdienstleistung im Sinne der geltenden Gesetzgebung dar, sofern er nicht von einer Person mit entsprechender fachlicher Qualifikation gemäß dem rechtlichen Rahmen des jeweiligen Landes durchgeführt wird.
2. Philosophische und ethische Prinzipien
Der Cat Ateliér basiert auf einem partnerschaftsorientierten Mensch–Tier-Beziehungsmodell.
Die Katze wird wahrgenommen als:
- aktive Teilnehmerin der Umgebung,
- regulatorische Partnerin,
- inspirierendes Element kreativer Prozesse,
- soziales Modell,
- Mitgestalterin des Interaktionsraums.
Die Katze wird nicht als Werkzeug therapeutischer Aktivität genutzt.
Die freiwillige Beteiligung des Tieres ist ein grundlegendes Prinzip.
Ethische Grundpfeiler der Methodik:
- Respekt vor der Autonomie der Katze,
- Möglichkeit der Wahl und des Rückzugs aus der Situation,
- Respekt vor artspezifischem Verhalten,
- Welfare als vorrangiges Prinzip,
- Ablehnung eines leistungsorientierten Modells der Arbeit mit Tieren,
- partnerschaftsorientiertes Mensch–Katze-Beziehungsmodell.
3. Spezifische Merkmale des Cat Ateliér als Umgebung
Der Cat Ateliér ist gekennzeichnet durch:
- kreative Aktivitäten,
- sensomotorische Aktivitäten,
- soziale Gruppeninteraktion,
- Variabilität der Umgebung,
- erhöhte soziale und sensorische Reizbelastung.
Diese Umgebung stellt erhöhte Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit der Katze und erfordert eine schrittweise Vorbereitung.
Zur Umgebungsgestaltung gehört außerdem Umweltregulation:
- Kontrolle der Lärmbelastung,
- Möglichkeit der Lichtregulation,
- olfaktorische Stabilität der Umgebung,
- Rückzugsmöglichkeiten,
- vertikale Fluchtzonen,
- sichere Ruhebereiche.
4. Kriterien für die Auswahl einer Katze für den Cat Ateliér
Im Unterschied zur Felinotherapie zu Hause erfordert der Cat Ateliér eine individuelle Einschätzung der Eignung der Katze für die Arbeit außerhalb des häuslichen Umfelds.
Insbesondere werden bewertet:
Temperamentale Stabilität
Die Katze zeigt:
- vorhersehbare Reaktionen,
- Fähigkeit zur Rückkehr in einen ruhigen Zustand,
- geringe Tendenz zu impulsiven Abwehrreaktionen.
Soziale Anpassungsfähigkeit
Die Katze:
- toleriert die Anwesenheit mehrerer Menschen,
- bewältigt unterschiedliche Formen sozialen Kontakts,
- zeigt Interesse am gemeinsamen Raum mit Menschen.
Fähigkeit zur Selbstregulation
Die Katze:
- nutzt selbstberuhigende Strategien,
- reguliert spontan Distanz,
- kann Interaktionen beenden,
- sucht aktiv sichere Zonen auf.
Anpassungsfähigkeit an Umweltveränderungen
Die Katze toleriert:
- neue Umgebungen,
- neue Geräusche,
- neue Gerüche,
- Anwesenheit von Materialien und Hilfsmitteln,
- Veränderungen sozialer Dynamiken.
5. Vorbereitung der Katze im häuslichen Umfeld
Ein stabiler neuroregulatorischer Zustand im häuslichen Umfeld ist eine grundlegende Voraussetzung für die Arbeit im Cat Ateliér.
Die Vorbereitung umfasst:
- Enrichment-Aktivitäten,
- haptisch-sensorische Spiele,
- schrittweise Gewöhnung an Materialien und Hilfsmittel,
- Aufbau der Beziehung zum Handler,
- Training freiwilliger Beteiligung,
- Arbeit mit Transportmitteln,
- schrittweise Habituation an neue Reize.
Das häusliche Umfeld dient als primäre regulatorische Basis.
6. Neuroregulation während des Transports
Der Transport stellt einen bedeutenden Übergangsmoment dar.
Empfohlene Prinzipien:
- Nutzung eines Transportwagens oder einer Transportbox als sichere Basis,
- schrittweise Gewöhnung an den Transport,
- Erhalt vertrauter Gerüche und Gegenstände,
- Minimierung stressauslösender Reize,
- Respekt gegenüber der individuellen Toleranz der Katze.
Das Transportmittel wird als mobiler sicherer Raum wahrgenommen.
7. Anpassung an die Umgebung des Cat Ateliér
Die Anpassung erfolgt schrittweise und respektiert das individuelle Tempo der Katze.
Sie umfasst:
- Gewöhnung an die Umgebung ohne Anwesenheit von Klienten,
- Rückzugsmöglichkeiten und Zugang zu einer sicheren Zone,
- Kontrolle erhöhter und alternativer Rückzugswege,
- schrittweise Verlängerung der Aufenthaltsdauer,
- Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr zur sicheren Basis,
- schrittweise Erhöhung sozialer Belastung.
8. Rolle der Katze im Cat Ateliér
Die Katze kann unterschiedliche Rollen übernehmen:
- inspirierendes Element kreativer Arbeit,
- parallele regulatorische Partnerin,
- Verhaltensmodell,
- soziale Facilitatorin,
- aktive Teilnehmerin von Aktivitäten,
- Beobachterin.
Die Beteiligung der Katze basiert auf dem Prinzip des ongoing behavioral consent.
Das Fehlen direkter Interaktion wird als gültige Form der Beteiligung betrachtet.
9. Modell der parallelen Regulation im Cat Ateliér
Die Katze kann regulatorischen Einfluss ausüben durch:
- geteilten Raum,
- Anwesenheit während kreativer Prozesse,
- Synchronisation des Gruppenrhythmus,
- nonverbale Kommunikation,
- Orientierungsverhalten,
- gemeinsames Sicherheitsgefühl.
Ein gemeinsames regulatorisches Feld kann zwischen Katze, Teilnehmenden und Handler entstehen.
Innerhalb der Gruppe können außerdem auftreten:
- soziale Facilitation,
- kollektive Regulation,
- Nachahmung regulatorischer Strategien,
- geteilte Neurozeption von Sicherheit.
10. Aktivitäten zur Unterstützung der Beteiligung der Katze
Haptisch-sensorische Aktivitäten
- gemeinsames Herstellen von Katzenspielzeug,
- Arbeit mit unterschiedlichen Texturen,
- Herstellung von Enrichment-Hilfsmitteln.
Kunstbasierte Aktivitäten
- von Katzen inspirierte Zeichnungen,
- Arbeit mit kinetischen Materialien,
- gemeinsame kreative Aktivitäten.
Beobachtungsaktivitäten
- Beobachtung des Verhaltens der Katze,
- Reflexion von Emotionen und Gefühlen,
- Arbeit mit Körperwahrnehmung,
- Beobachtung regulatorischer Strategien.
Die Aktivitäten können außerdem die Vermittlung respektvoller Kommunikation mit Tieren sowie das Erkennen von Stress- und Komfortsignalen bei Katzen umfassen.
11. Rolle des Handlers im Cat Ateliér
Der Handler:
- beobachtet die Regulation der Katze und der Gruppe,
- fungiert als Vermittler von Interaktionen,
- sorgt für eine sichere Umgebung,
- nutzt somatische Kommunikation,
- arbeitet mit dem eigenen Regulationszustand,
- koordiniert die soziale Intensität innerhalb der Umgebung.
Der Handler arbeitet aktiv mit:
- posturaler Stabilität,
- Orientierungsverhalten,
- dem Tempo von Interaktionen,
- Regulation von Gruppendynamiken.
12. Methoden der Beobachtung und Evaluation
Die Evaluation basiert auf:
- dem SIBAM-Modell,
- der Polyvagal-Perspektive,
- den Primären Affektiven Systemen,
- Videoanalyse,
- SPA-Analyse,
- ethologischer Beurteilung,
- Selbstreflexion des Handlers.
Bewertet werden:
- Gruppenregulation,
- Regulation der Katze,
- Qualität relationaler Prozesse,
- Grad der Freiwilligkeit,
- Stresssignale,
- Fähigkeit zur Rückkehr in Regulation.
Die Interpretation des Verhaltens der Katze muss auf ethologischem Wissen basieren und darf sich nicht ausschließlich auf anthropomorphe Projektionen stützen.
Die Videoanalyse kann umfassen:
- verlangsamte Wiedergabe,
- longitudinale Beobachtung von Veränderungen,
- supervisorische Reflexion,
- Vergleich regulatorischer Muster.
13. Dokumentation
Die Dokumentation umfasst:
- Aufzeichnungen der Aktivitäten,
- Videoaufnahmen,
- Reflexionsnotizen,
- supervisorische Notizen,
- Archivierung der Daten gemäß geltender Gesetzgebung.
14. Risikomanagement
Risiken für die Katze
- soziale Überlastung,
- Umweltstress,
- Erschöpfung,
- übermäßiges Handling,
- Einschränkung von Rückzugsmöglichkeiten.
Risiken für Teilnehmende
- emotionale Aktivierung,
- sensorische Überlastung,
- mangelnder Respekt gegenüber den Grenzen des Tieres.
Präventive Maßnahmen
- Möglichkeit, Aktivitäten jederzeit zu beenden,
- Vorhandensein einer sicheren Zone,
- Beobachtung von Stresssignalen,
- Respekt gegenüber der Regulationskapazität der Katze,
- kontinuierliche Evaluation der Umgebung.
15. Spezifische Vorteile des Cat Ateliér
- Entwicklung sozialer Gruppenregulation,
- Förderung von Kreativität,
- Entwicklung sensomotorischer Fähigkeiten,
- Bildung im Bereich Animal Welfare,
- Stärkung der Mensch–Tier-Beziehung,
- Unterstützung der Neuroregulation,
- Entwicklung respektvoller Kommunikation.
Abschließendes Prinzip
Die Katze im Cat Ateliér ist kein Objekt der Aktivität, sondern Mitgestalterin einer Umgebung, die das Entstehen regulatorischer, relationaler und kreativer Prozesse ermöglicht.



